Das Institut: Glossar

Übertragung

Meint die Projektion kindlicher Wünsche, Gefühle und Einstellungen zu seinen Eltern (bzw. primären Bezugspersonen) auf den Therapeuten (Möller, H.-J. 2001, S.579, Psychiatrie und Psychotherapie, Stuttgart: Thieme)
Beschreibung

Während der Übertragungsbegriff im Erwachsenenalter als Wiederbelebung vergangener kindlicher Interaktions- und Beziehungsmuster verstanden wird, ist er bei Kindern und Jugendlichen zu modifizieren. Die Übertragung von üblichen Beziehungsweisen meint bei Kindern gewohnheitsmäßige Verhaltensweisen und Beziehungsmuster als typische Reaktionen auf Erwachsene (z.B. Misstrauen, Ängstlichkeit, Anpassen, Gutstimmen). Auch dem Therapeuten als einer erwachsenen Autoritätsperson werden insbesondere in der Anfangsphase einer Behandlung diese üblichen Beziehungsmuster im Erwachsenen- Kind-Verhältnis gegenüber zum Ausdruck gebracht, ohne als echte Übertragungsbeziehung bezeichnet werden zu können. Die aktive Wiederholung aktueller Ereignisse und Erlebnisse des passiv Erlebten stellt bei Kindern einen basalen Mitteilungsmodus dar. Die Übertragung früherer Erlebnisweisen entspricht der Übertragung in der Erwachsenentherapie unter besonderer Berücksichtigung spezifischer Konflikte im Kindes- und Jugendalter (Hopf, Windaus Hrsg. 2009, S.233, Lehrbuch der Psychotherapie, 3.Aufl., München: CIP-Medien).