Das Institut: Glossar

Gruppendynamik

Eine Gruppe bietet ein Abbild der äußeren sozialen Situation der Teilnehmer. Rückmeldungen Anderer auf die eigene Person oder das Gruppengefüge können von Gruppenleitern und -mitgliedern genutzt werden (Möller, H.-J. 2001, S. 523, Psychiatrie und Psychotherapie, Stuttgart: Thieme).
Beschreibung

Die Dynamik einer Gruppe ist immer von Rollenzuschreibungen und unbewussten wechselseitigen Übertragungen geprägt. Es können sich verschiedene Rollen entwickeln, wie z.B. Anführer, Mitläufer, Außenseiter oder Sündenbock. Im Anderen sieht man immer auch das, was man selbst sein möchte und/oder ablehnt. Hier entfalten sich z.B. Bewunderung und Idealisierung genauso wie Eifersucht und Neid.

So entstehen regelhafte Konflikt- und Spannungssituationen sowie Erfahrungen von gegenseitiger Unterstützung. Die Gruppe wirkt als kritischer Spiegel sowie als Halt gebende Stütze (Möller, H.-J. 2001, S. 523, Psychiatrie und Psychotherapie, Stuttgart: Thieme).

Mitunter stellen die anderen Gruppenmitglieder durch ihr Anderssein nicht nur eine potentielle Bereicherung dar, sondern sie verkörpern auch eine potentielle Störung. Ob man das Fremde ertragen, ihm sogar etwas abgewinnen kann, oder ob man sich aufgerufen fühlt, es zu kontrollieren und zu beschneiden, hängt vom eigenen Wesen, der situativ bedingten Stimmung oder den anderen Gruppenmitgliedern ab (z.B. Solidarisierung, Koalitionsbildung). Jedes Gruppenmitglied prägt durch die Art und Weise der Durchsetzung seiner Ziele und Werte, Themen, Umgangsformen und Argumentationsweisen das gesamte Gruppengeschehen (Stahl, E. 2002, S.324, Dynamik in Gruppen - Handbuch der Gruppenleitung. Weinheim, Basel, Berlin: Verlagsgruppe Beltz).

Im pädagogisch-therapeutischen Kontext können die dynamischen Bewegungen, Interaktionen und Erfahrungen im Miteinander konstruktiv im Sinne der Gruppenzielsetzung genutzt werden.