Erziehungsberatung: Fachberatung

Fachberatung an städtischen Kindertagesstätten

Von Fach zu Fach erhalten pädagogische Fachkräfte in Kitas eine Beratung für ihre beruflichen Belange.

Die Stadt Heidelberg hat seit 2006 eine professionelle Fachberatung für die Erzieher und Mitarbeiter ihrer städtischen Kindertagesstätten ins Leben gerufen und die Psychologischen Beratungsstellen der Stadt als Kooperationspartner mit dieser Aufgabe betraut.

Das Angebot richtet sich an alle pädagogischen Fachkräfte der Tagesstätten in städtischer Trägerschaft, die einmal im Monat direkt vor Ort in ihrer Einrichtung eine 1 ½ - stündige Beratung für ihre beruflichen Belange in Anspruch nehmen können. In einem geschützten Rahmen stehen wir ihnen als Ansprechpartner in einem immer komplexer und schwieriger werdenden Erziehungs- und Betreuungsalltag zur Verfügung.

Unsere Erziehungsberatungsstelle hat die begleitende Fachberatung von 5 Einrichtungen mit einer durchschnittlichen Aufnahmekapazität von jeweils 80 Kindern übernommen.

Stadtteilbezogen werden die Kinder bedarfsorientiert in Altersgruppen betreut, die sich von der Krippe über den Kindergarten bis zum Hortbereich erstrecken.

In der regelmäßigen Fachberatung, die entweder von einzelnen Mitarbeitern oder von Erzieherteams wahrgenommen wird, stehen die von ihnen beschriebenen Probleme und Fragen zu einzelnen Kindern oder gruppendynamischen Vorgehensweisen im Vordergrund. In ihrer anspruchsvollen Berufspraxis sind die Mitarbeiter mit zunehmenden Erziehungsherausforderungen und ansteigenden kindlichen Entwicklungsproblemen oder Verhaltensauffälligkeiten konfrontiert und stehen nicht selten vor mehr oder weniger großen Hürden in ihrer begleitenden Arbeit mit den Eltern.

Unsere Beratung setzt an diesen Sorgen und Schwierigkeiten an, die sich sowohl auf alltagsnahe und pragmatische Erfordernisse im erzieherischen Umgang mit Kindern oder einer gesamten Gruppe beziehen als auch auf diverse Hilfestellungen in Fällen einer diffizilen Elternarbeit. Schwerwiegendere Probleme, die einzelne Kinder in einem auffallenden Verhalten zum Ausdruck bringen, stehen inzwischen im Zentrum der von den pädagogischen Fachkräften eingebrachten Themen.

Hier sind wir als Fachberater in erster Linie davon geleitet, ein vertieftes und individuelles Verständnis von den Auffälligkeiten eines Kindes sowie von den geschilderten Grenzen und Erschwernissen in seiner Erziehung zu gewinnen. Dem voranzugehen hat unsererseits eine möglichst genaue Gesamteinschätzung.

Da wir in der Regel keinen unmittelbaren Kontakt zu den entsprechenden Kindern und/oder Eltern aufnehmen, sind wir in besonderer Weise auf die Vermittlung der entsprechenden Gegebenheiten durch die Erzieher angewiesen.

Dabei spielt die jeweilige Haltung und Erzieherpersönlichkeit an der Schnittstelle von Subjektivität und Objektivität eine bedeutsame Rolle. Die dargestellten Problemlagen sind naturwüchsig immer auch von der eigenen psychischen Beteiligung, der persönlichen Einstellung und der subjektiven Bewertung eines jeden Mitarbeiters geprägt, der sie an uns heranträgt und transportiert.

So lassen wir vor und während unserer beratenden Interventionen die erlebnisnahen Eindrücke und Beschreibungen der Mitarbeiter auf uns wirken. Zugleich fragen wir nach konkreten Fakten, gezielten Zusammenhängen und näheren Verhaltensbeobachtungen aus dem pädagogischen Betreuungsalltag, zu denen wir bei speziellem Bedarf in differenzierter Weise anleiten können. Bestehende Informationen zum familiären Hintergrund und/oder den bisherigen Entwicklungen des Kindes in der Tagesstätte ergänzen unsere ersten Anmutungen zur Thematik.

In diesem Kontext orientieren wir uns an alterstypischen Entwicklungsaufgaben, die regelhaft mit spezifischen kindlichen Konflikten und Krisen verbunden sind, ohne per se pathologisch zu sein. Maßgeblich stellt sich für uns als Fachberater die Frage nach deren Bewältigung, sowohl auf Seiten des Kindes als auch seiner primären und erweiterten Bezugspersonen (Eltern bzw. Elternersatzfiguren/ Erzieher und Hortbetreuer).

Auf dem Boden unserer analytischen Entwicklungstheorien legen wir je nach Alter des Kindes entwicklungspsychologische Leitlinien an, die der objektivierten Problemerfassung dienen und altersgemäße Abweichungen davon in Verknüpfung mit den Informationen und Eindrücken der Erzieher verstehbar werden lassen.

Unser Blick auf psychodynamische und spezifisch gruppendynamische Wirkfaktoren ist in der Fachberatung auf die jeweiligen Sinnzusammenhänge und Botschaften gerichtet, die das Kind uns mit seinem auffallenden Verhalten senden will.

Unter Einbezug realer und aktueller Einflussfaktoren sowie Milieubedingungen der kindlichen Lebenswirklichkeit prüfen wir im Dialog mit den Erziehern, auf welchen Hilfebedarf uns das Kind aufmerksam machen will. Erst vor diesem „entschlüsselten“ Hintergrund ist es sinnstiftend, eine veränderte Erziehungshaltung oder notwendige erzieherische Unterstützungen zu entwickeln bzw. bereits in der Kita praktizierte Hilfen für das Kind zu modifizieren oder zu bestätigen.

So lassen wir uns immer auch gemeinsam berühren von den Schwierigkeiten und Problemen der Kinder sowie den Auswirkungen erschwerter familiärer Lebensläufe und Umstände auf das kindliche Seelenleben. Dies motiviert uns fortwährend in einem wechselseitigen Austausch und auf fachwissenschaftlichem Boden entsprechende Notwendigkeiten eines veränderten Beziehungs- und damit Erziehungsangebotes zu entwickeln und anzubieten oder erweiterte Hilfemaßnahmen in Betracht zu ziehen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass das Konzept der Fachberatung dem Gedanken der Prävention in hohem Maße Rechnung trägt.