Erziehungsberatung: Gruppenangebot

Ziel unserer Gruppenarbeit mit Kindern ist die Verbesserung von Anpassungsfähigkeit und Sicherheit im sozialen Lebensraum.

Im Herbst 2011 haben wir im Rahmen unserer Beratungsstelle eine „Soziale Interaktionsgruppe“ eröffnet.

Das Gruppenangebot richtet sich an 6 Kinder - sowohl Jungen als auch Mädchen - im Alter von 7 - 9 Jahren, die unter Schwierigkeiten im Umgang und Erleben mit Gleichaltrigen leiden und Auffälligkeiten im Sozialverhalten äußern.

Mit unserer Gruppenarbeit sprechen wir Kinder an, die z. B. unangemessene aggressive oder impulsive Verhaltensweisen zeigen, übermäßig in Streitereien oder Konflikte verwickelt sind, oder durch herausfordernde Auflehnung gegenüber Kindern oder Erwachsenen auffallen. Ebenso beziehen wir uns auf Kinder, die eine verstärkte Schüchternheit oder Scham an den Tag legen, nicht gut „Nein“ sagen können, wenig Durchsetzungsvermögen aufbringen, oder zu vermehrtem Rückzugsverhalten neigen.

Mehr oder weniger andauernd, zeigen sich derartige Probleme meist außerhalb der Familie und in größeren Gruppenverbänden, wie Schule, Hort oder Freizeitgestaltung.

Ziel unserer Gruppenarbeit ist die Förderung und Verbesserung der sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder, um ihnen zu erforderlichen Anpassungsleistungen und einer größeren Sicherheit im sozialen Lebensraum zu verhelfen.

Die Entwicklung eines positiven Selbst- und Gemeinschaftsgefühls und eine erweiterte soziale Bezogenheit unserer jungen Adressaten sind uns dabei ein besonderes Anliegen.

Die Gruppe wird fortlaufend angeboten und ist teiloffen konzipiert, d. h. wenn einzelne Kinder die Gruppe verlassen, können Neuzugänge aufgenommen werden.

Grundsätzlich soll die Gruppenteilnahme mindestens über die Dauer eines ½ Jahres gewährleistet sein.

Es finden regelmäßige wöchentliche Kindergruppensitzungen à 1 ½ Stunden statt.

Die begleitende Elternberatung ist wesentlicher Bestandteil des Angebotes und wird alle 6 - 8 Wochen in der Elterngruppe der teilnehmenden Kinder durchgeführt. Je nach Bedarf erfolgen zudem einzelne Eltern- oder Kooperationsgespräche z. B. mit Vertretern der Schule oder des Hortes.

Vor Aufnahme in die Gruppe nehmen wir mit jedem Kind und seinen Eltern eine individuelle Einschätzung der vorhandenen Problematik vor.

Für unsere psychodynamisch orientierte Arbeitsweise ist es besonders wichtig, die bestehenden Schwierigkeiten vor dem Hintergrund der aktuellen Lebenssituation und dem bisherigen Werdegang des Kindes inner- und außerhalb der Familie zu verstehen. Mögliche Quellen oder Bedingungen des erschwerten Sozialverhaltens können dabei genauer eingeordnet werden.

Die an die Gruppe geknüpften Zielsetzungen der Klienten spielen eine entscheidende Rolle. Vorhandene Wünsche, Erwartungen oder auch Befürchtungen gilt es sowohl auf Kind- als auch auf Elternseite mit den Inhalten und Methoden unserer Gruppenarbeit abzugleichen.

Eine Gruppenaufnahme hängt sodann von unserer Beurteilung ab, was die Gruppe für das einzelne Kind und seine Eltern bewirken und bedeuten kann.

Auch in der Kindergruppe wird zunächst das subjektive und persönliche Erleben jedes Einzelnen in den Blick genommen. Wir setzen an seinen Stärken und Vorlieben an, entschlüsseln sein eigentliches Kontaktbedürfnis, erfassen die Art seiner Verarbeitung von sozialen und konflikthaften Erfahrungen und machen uns ein Bild von seinen inneren Überzeugungen, die ihm im Weg stehen.

Daraus resultierende Auffälligkeiten haben immer eine entsprechende Bedeutung und einen Sinn. Jedes Kind will uns darüber etwas von sich, seiner Überforderung und damit auch seinem Hilfebedarf mitteilen.

Zwar äußern sich die kindlichen Schwierigkeiten zum Teil sehr ähnlich, doch dahinter liegen durchaus verschiedene Beweggründe, Funktionen und Bewältigungsformen. Allen Kindern gemeinsam sind mehr oder weniger starke Beeinträchtigungen im Selbstwertgefühl.

So wird die Gruppe in erster Linie aus der jeweiligen Sicht des Einzelnen genutzt, um sie längerfristig zum „Selbstzweck“ in einem gemeinsamen und veränderten Miteinander werden zu lassen. („Ich komme wegen der anderen Kinder.“, „Ich gehöre zur Gruppe und bin ein wichtiges Mitglied.“)

Der überschaubare Verbund in der Kleingruppe bietet den Kindern unter pädagogischer Steuerung und der Anwendung unserer therapeutischen Methoden ein geschütztes „Übungsfeld“, um sich mit anderen und sich selbst außerhalb der herkömmlichen Alltagserlebnisse zu erproben und zu korrigierenden emotionalen Erfahrungen zu gelangen. Im Zuge dessen ist ein zunehmender Transfer mit verbesserten Sozialkompetenzen in ihre Lebenswelt angestrebt.

Die Inhalte der Gruppenstunden sind nicht vorgegeben, sondern eröffnen sich im Spiel und in der Beziehungsaufnahme der Kinder untereinander, die sich mit den anderen Gruppenmitgliedern in unterschiedlichen und wechselnden Konstellationen und auch Koalitionen erproben. So treten schon bald die jeweils konflikthaften sozialen Interaktionsräume „auf den Plan“. Diese werden nicht unterbunden, sondern unter regulierender Begrenzung aufgegriffen und bearbeitet. Die Gruppendynamik ist immer auch von unbewussten Übertragungen und Rollenzuweisungen geprägt, die sich die Gruppenleiter steuernd und lenkend zunutze machen können.

Neben der Einzelberatung bei individuellem Bedarf können Eltern in der begleitenden Elterngruppe durch einen wertvollen Erfahrungsaustausch untereinander erleben, dass sie mit den Problemen ihrer Kinder nicht die einzigen und andere in ähnlicher Weise betroffen sind. Sorgen und Ängste können geteilt und gegenseitige Unterstützungen wirksam werden.

Unser Blick auf die Ressourcen von Eltern und Kindern bringt mit sich, dass nicht nur die kindlichen Störungen oder elterlichen Schuldgefühle im Vordergrund stehen, sondern sich ein anderes Verständnis für die Erlebnis- und Verhaltensweisen der Kinder entwickeln kann.

In einem durch aktive und förderliche Unterstützung geprägten Vertrauensverhältnis sollen die Eltern zu ihrem Selbstvertrauen und ihrer Sicherheit in der Beziehung und Erziehung ihrer Kinder zurückfinden.