Erziehungsberatung: Zusatzangebote

Aufsuchende Familientherapie

Die Berater sind in das unmittelbare Familiengeschehen eingebunden und verhelfen zu neuen Einstellungen und Haltungen untereinander.

Die Aufsuchende Familientherapie (AFT) richtet sich an Familien in chronischen bzw. akuten Krisen, in denen das Wohl der betroffenen Heranwachsenden gefährdet ist.

Die Hilfemaßnahme ist vor allem dann angezeigt, wenn sich ein familiärer Verbund aufgrund einer drohenden oder beabsichtigten Unterbringung eines bzw. mehrerer Familienmitglieder aufzulösen droht. Auch sehr problematische Familiensituationen, die wiederkehrend eskalieren, oder erstmalig auftretende Problemlagen, die das Familiensystem gefährden, können die Einleitung einer AFT veranlassen.

Meist handelt es sich um vielschichtige familiäre Schwierigkeiten, in denen Eltern die Erziehungsfähigkeit zu entgleiten droht. Die Heranwachsenden zeigen dabei Auffälligkeiten mit begleitenden psychischen Belastungen und Symptomen, bei denen ein familienbezogener und familiendynamischer Aspekt besonders bedeutsam ist.

Als abgewandelte Form der Familientherapie gewinnt die AFT im Rahmen der „Hilfe zur Erziehung“ (§ 27 SGB VIII) seit einigen Jahren an zunehmender Bedeutung in der Jugendhilfe.

Als Kooperationspartner des Rhein-Neckar-Kreises ist unsere Beratungsstelle seit 2004 an der Umsetzung dieses Hilfeangebotes in der Region beteiligt.

Die AFT findet im häuslichen Umfeld der Familie statt und erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten mit regelmäßigen Sitzungen. 

Jeweils zwei unserer Mitarbeiter suchen die Familie in ihrem vertrauten Zuhause auf, was es den Betroffenen häufig erleichtert, das Beratungsangebot anzunehmen.

Zudem ist es direkt vor Ort einfacher, alle Familienmitglieder mit einzubeziehen.

Die vereinbarten Termine finden generell mit der gesamten Familie statt, je nach Verlauf und Bedarf aber auch in verschiedenen Zusammensetzungen, z. B. mit den Heranwachsenden und/oder ihren Geschwistern alleine, mit den Heranwachsenden und nur einem Elternteil oder mit den Eltern alleine.

Im häuslichen Rahmen sind die Berater direkt an dem herkömmlichen Familiengeschehen beteiligt. Die unmittelbare Abbildung des familiären Miteinanders bietet hier vielseitige Chancen und Möglichkeiten, hilfreich Einfluss zu nehmen und erforderliche Veränderungen auf den Weg zu bringen.

Die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen können genutzt werden, um eigene sowie familienbezogene Ziele und fruchtbare Problemlösungen mit ihnen zu erarbeiten.

Mit Blick auf die Eltern oder Erziehungspersonen wird vor allem eine veränderte Sicht auf die Belastungen und das familiäre Gefüge angestrebt.

Insgesamt sollen die Familienmitglieder neue Einstellungen und Haltungen zueinander entwickeln, um nicht in alten Mustern zu verhaften, sondern ihre Schwierigkeiten anders als bisher zu bewältigen.

Unsere AFT-Tätigkeit folgt einem analytisch-systemischen Konzept, in dem die Ressourcen der Familie auf dem Boden unseres psychodynamischen Verständnisses im Vordergrund stehen. Den interpersonellen Aspekten der jeweiligen Familienproblematik kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Es besteht ein Rechtsanspruch der entsprechenden Familien auf diese Hilfe, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Die Sorgeberechtigten haben die Maßnahme bei dem für sie zuständigen Jugendamt innerhalb des Rhein-Neckar-Kreises zu beantragen. In dessen Auftrag kann unsere Beratungsstelle angefragt und gegebenenfalls tätig werden.

In einem Hilfeplanverfahren des Jugendamtes werden mit allen Beteiligten (den Vertretern der Jugendhilfe, den Familienmitgliedern sowie den Beratern) die Ziele der AFT ermittelt, festgelegt und überprüft. Nach Ablauf der ersten Hilfegewährung kann bei begründetem Bedarf und günstiger Aussicht der AFT eine Verlängerung der Maßnahme vereinbart werden.

Außenstelle Ladenburg  -  Tel.: 06203/12928

Außenstelle Eberbach    -  Tel.: 06271/6887

 

Heidelberger Kooperationsmodell bei Trennung und Scheidung

Alle einbezogenen Berufssparten arbeiten auf eine Einigung der Eltern im Sinne des Kindeswohls hin.

Das „Heidelberger Kooperationsmodell“ (HEIKO) richtet sich als spezielle Hilfemaßnahme an Eltern, die sich durch Trennung oder Scheidung in familiengerichtlichen Verfahren befinden.

Ziel ist die außergerichtliche und zeitnahe Streitschlichtung bei Umgangs- und Sorgerechtsfragen. Eltern erhalten dabei die Möglichkeit, grundlegende Fragen und Erfordernisse im Sinne ihrer Kinder zu klären und im günstigen Falle übereinzukommen, z.B. bei wem das Kind lebt, und wie oft, wann und in welchem Rahmen es den jeweils anderen Elternteil sieht. Vorherige Regelungen innerhalb der Gerichtsverfahren zogen sich bei zunehmender Trennungs- und Scheidungsrate durchschnittlich über 7 Monate bis zu mehreren Jahren hin. Dies ging in erster Linie zu Lasten der betroffenen Kinder und Heranwachsenden.

Um dem entgegenzuwirken, entstand das „Heidelberger Kooperationsmodell für die bei Trennung und Scheidung in familiengerichtlichen Verfahren beteiligten Professionen“ (HEIKO).

In der Stadt Heidelberg und der zugehörigen Region des Heidelberger Amts- und Familiengerichtsbezirks wirken alle beteiligten Berufsgruppen (Gericht, Anwälte, Jugendamt und Beratungsstellen) mit, so auch unsere Beratungsstelle als Kooperationspartner der Stadt Heidelberg. Seit 2007 ist das Hilfeangebot nach einem Jahr Erprobungszeit ein fester Bestandteil unserer Beratungsarbeit.

Im HEIKO - Verfahren sind Ablauf und Vorgehen aller mit einbezogenen Berufssparten festgelegt und geregelt. Die jeweiligen Rechtsanwälte verpflichten sich, auf konfliktverschärfende Schriftsätze im Beratungszeitraum zu verzichten, Familienrichter und Beratungsstellen haben den Eltern ein möglichst schnelles Terminangebot zu unterbreiten, und die Vertreter des Jugendamtes wohnen jedem Gerichtstermin direkt bei und lassen schriftliche Stellungnahmen aus. All dies will die durchschnittliche Verfahrensdauer unter Kindeswohlaspekten verkürzen. Alle Beteiligten arbeiten auf eine Einigung der Eltern hin. Konflikterhaltende Strategien werden nicht unterstützt.

Während oder nach einer ersten Anhörung der Eltern ordnet das Gericht mit Hinweis auf die gemeinsame elterliche Verantwortung die Klärung innerhalb einer Beratungsstelle an,

die nach Melden der Eltern innerhalb von 14 Tagen einen Ersttermin anbietet. Die Eltern erhalten ein formales Schriftstück über die gerichtliche Aufforderung.

In bis zu max. 5 kostenlosen Beratungsterminen streben wir dabei gemeinsam mit den Eltern eine einvernehmliche Umgangs- oder Sorgerechtslösung an.

So finden dann betroffene Eltern u. a. auch zu uns nach Heidelberg oder in eine unserer Außenstellen nach Ladenburg oder Eberbach.

Schon im Ersttermin wird der Schwerpunkt auf die Klärung der Frage gelegt, ob überhaupt eine realistische Einigungschance besteht. Nur in einem solchen Fall wird die Beratung fortgeführt. Ist sie abgeschlossen, erhalten die Eltern eine kurze, standardisierte Bescheinigung, ob es zu einer einvernehmlichen Regelung gekommen ist oder nicht.