Therapie: Arbeitsweise und Verfahren

Ob kurz oder lang, Unbewusstets spricht uns in Spiel, Symbol und Sprache an – neue Erfahrungsräume und Sichtweisen können möglich werden.

Im Rahmen der therapeutischen Beziehung versuchen wir zu verstehen und zu verändern, was der jeweils gesunden Entwicklung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Wege steht.

Die Patienten übertragen ihre gewohnheitsmäßigen Verhaltensweisen, verinnerlichten Beziehungsmuster sowie unbewusstes und aktuelles psychisches Konfliktmaterial auf die Beziehung zum Therapeuten.

Diesen Vorgang macht sich der Therapeut mit Hilfe seiner geschulten Wahrnehmung und seines Wissens zunutze, um zu den pathogenen Manifestationen (krankmachenden Verfestigungen) und Beziehungsmustern der Patienten vorzudringen.

Tiefenpsychologisch oder analytisch fundierte Behandlungen setzen am Erleben von Kindern und Jugendlichen an. Dabei bedient sich der Therapeut alters- und phasenspezifischer Darstellungsebenen unter Verwendung unterschiedlicher Medien.

In der Therapie mit Kindern kommt dem Spiel eine entscheidende Bedeutung zu, da es dem Therapeuten zentrale Wege zum Unbewussten des Kindes eröffnet. Im symbolischen Spiel (Malen, Sandspiel, Rollenspiel) können Fantasien ausgedrückt, kreative Potentiale entdeckt und ausgelebt sowie bewusste und unbewusste Konflikte und Erfahrungen dargestellt werden. In anderen Spielweisen (Regelspiel, Bewegungsspiel, Konstruktionsspiel) gewinnt der Therapeut z.B. Eindrücke zur Frustrationstoleranz, Selbstwertregulation, Angsttoleranz und Rivalisierungsfähigkeit. In Schilderungen oder Abbildungen von Träumen und Fantasien werden besonders in der Arbeit mit Jugendlichen unbewusste Konfliktpotenziale sichtbar, die längerfristig zugänglich gemacht werden sollen.

In einem gemeinsamen Interaktionsprozess und Beziehungserleben eröffnen sich durch die therapeutische Einflussnahme neue Erfahrungsräume und Sichtweisen, die zu korrigierenden Veränderungen, notwendigen Nachreifungsprozessen und zur Reduzierung der vorhandenen Symptome führen sollen.

Therapieverfahren

Eine analytisch fundierte Psychotherapie ist besonders bei komplexeren Störungen wirkungsvoll. Der Erkrankung liegen meist tiefer verborgene Konflikte zu Grunde, die sich im Verlauf der bisherigen Persönlichkeitsbildung verfestigt haben. Von ihnen gehen in einer Weise Angst, Unlust, Beschämung und psychischer Schmerz für den Patienten aus, so dass er sie mit unterschiedlichen Abwehrvorgängen in Schach und im Unbewussten halten will.

Misslingt dies, sucht der Patient im Spannungsfeld zwischen Angst und Abwehr einen vermeintlichen Kompromiss, der sich in einer Symptombildung ausdrückt. Diese kann als missglückter Reparations- und Heilungsversuch des Patienten verstanden werden, der seiner weiteren, gesunden Entwicklung im Wege steht.

In diesem Therapieverfahren fördert der Therapeut den Zugang des Patienten zu sich selbst und seiner inneren Welt. Dieser liegen neben den inneren Konflikten immer auch Ressourcen und kreative Potentiale zugrunde.

Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist angezeigt, wenn aktuelle Probleme und Konflikte des Patienten im Vordergrund stehen. Gemeinsam werden diese beleuchtet, der Therapeut nimmt eine eher aktivere Haltung ein. Zusammenhänge zur inneren psychischen Welt des Patienten werden fokussiert hergestellt und dienen vorrangig der Korrektur im Selbsterleben.  

Beide Verfahren unterscheiden sich bei einem gemeinsamen Menschenbild und Grundverständnis von seelischen Vorgängen lediglich in der Behandlungstechnik.

Therapieformen

Eine Langzeittherapie im psychoanalytischen Verfahren umfasst bei Kindern ein Stundenkontingent von 70 bis höchstens 150 Sitzungen, bei Jugendlichen von 90 – höchstens 180 Sitzungen bei einer Stundenfrequenz von 2 Stunden pro Woche.

Eine Langzeittherapie im tiefenpsychologisch fundierten Verfahren umfasst die gleichen Stundenkontingente bei 1-2 Stunden pro Woche.

Die Kurzzeit-Psychotherapie als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie umfasst 25 Sitzungen bei einer Stundenfrequenz von 1-2 Stunden pro Woche. Sie ist angezeigt, wenn von einem Behandlungserfolg in diesem Zeitraum ausgegangen werden kann. Sie kann ebenso als Probetherapie zur Klärung einer möglichen Langzeittherapie in beiden Verfahren beantragt werden.

Die Krisenintervention als spezifische Kurzzeitpsychotherapie umfasst ebenso 25 Sitzungen bei einer Stundenfrequenz von 1-3 Stunden pro Woche. Sie ist angezeigt bei akuten Krisen und psychosozial hohen Belastungen, die einer besonderen Beruhigung, Klärung und Differenzierung in einem intensiven, engmaschigen Rahmen bedürfen.

Begleitende Elternarbeit

Die begleitende Arbeit mit den Eltern kann sich auf Information, Aufklärung oder Korrekturen in Fragen zur Erziehung beziehen. Ebenso können konflikthafte Verstrickungen von Eltern und Kindern im Mittelpunkt stehen, die gemeinsam verstanden und bearbeitet werden wollen. Weiterhin können Schwächen in der Selbst- und Beziehungsregulation im Kontext familiärer Interaktionen maßgeblich an den bestehenden Schwierigkeiten des Kindes/Jugendlichen beteiligt sein. Dies bedarf der haltgebenden Orientierung für die Eltern und ihrer Sensibilisierung im Hinblick auf die Befindlichkeiten des Kindes/Jugendlichen.

Die Arbeit mit Eltern/Bezugspersonen ist notwendiger Bestandteil der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie, beinhaltet jedoch keine Psychotherapie der Erwachsenen.